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Die Geschichte von Ostblick

Die Idee

Die Region Berlin-Brandenburg rühmt sich ihrer Rolle als „Tor zum Osten“ beziehungsweise „Drehscheibe zwischen Ost und West“, und dies ist – im wörtlichen Sinne – nahe liegend. Von Berlin ist Polen weniger als hundert Kilometer entfernt, Brandenburg hat unter den Bundesländern die längste Außengrenze zu diesem Land; und die meisten osteuropäischen Hauptstädte sind von hier aus schneller zu erreichen als westliche Metropolen. Schließlich muss man noch nicht einmal verreisen, um mit der Region in Kontakt zu kommen, wir können ihr jeden Tag vor der Haustür begegnen. Trotzdem wurde die Beschäftigung mit unseren Nachbarn im Osten vielerorts zurückgefahren. Selbst in Zeiten, da die Erweiterung der Europäischen Union gen Osten ein gesteigertes Interesse und eine intensivere Auseinandersetzung mit der Region hätte erwarten lassen, begann der Sparwahn gerade in der osteuropabezogenen Lehre und Forschung um sich zu greifen. Während also Studierendenzahlen stiegen – genauso wie das wirtschaftliche und auf manchen Ebenen auch politische Interesse an Osteuropa –, wurde an Lehrstühlen gekürzt, so manches Institut gar geschlossen.

Vor diesem Hintergrund entstand Anfang 2002 eine studentische Initiative, die sich dieser Entwicklung entgegenstellen wollte. Zwei Studenten der Universität Münster hatten aus Anlass der Sparpläne für ihre Abteilung für Osteuropäische Geschichte und das Slawisch-Baltische Seminar einen Solidaritätsaufruf in Umlauf gebracht, auf den sich binnen weniger Wochen ähnlich leidgeplagte Studierende aus ganz Deutschland meldeten.

 

Die Anfänge in Berlin-Brandenburg

In Berlin und Brandenburg hatten Studierende der vier großen Universitäten mit osteuropabezogenen Fächern ebenfalls die Notwendigkeit erkannt, aktiv zu werden, und zwar gemeinsam. Nach ersten Kontakten im März fand am 15. Mai 2002 in der Humboldt-Universität zu Berlin das erste Treffen von Vertreter/innen dieser Universität, der Freien Universität Berlin, der Universität Potsdam sowie der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder statt. Dabei wurde deutlich: Ob Slavist, Osteuropahistoriker oder Studierender der so genannten Osteuropastudien beziehungsweise Kulturwissenschaften – alle waren mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Für die Zukunft wurden diverse Projekte diskutiert (Herausgabe einer Zeitschrift, Erstellung eines Studienführers, Party etc.) und etwa die Sprachausbildung als der Bereich mit dem dringendsten Handlungsbedarf identifiziert.

Auf diese erste Zusammenkunft folgten unzählige Treffen an den verschiedenen Universitäten. Am 10. Juli 2002, während das legendäre Sommerunwetter über der Region tobte, entschlossen sich elf Leute auf einer Sitzung in Frankfurt/Oder nach reiflicher Überlegung und langen Diskussionen zur Gründung eines Vereins, der den Namen Ostblick tragen sollte. Die Gelegenheit, die Vereinsgründung gebührend zu feiern, bot sich am Tag darauf, als die erste Ostblick-Party mit Soljanka und Live-Musik im Berliner Mudd-Club stattfand.

 

Schlag auf Schlag: Die ersten Projekte

Zum Wintersemester 2002/2003 gab Ostblick erstmals den Studienführer „Osteuropa studieren in Berlin und Brandenburg mit Ostblick …“ heraus. Seither hat das Heft mit jeder Auflage an Umfang zugenommen und ist auch nach Jahren noch immer die einzige Publikation, die einen Überblick über die osteuropabezogenen Studienmöglichkeiten in der Region gibt. Anfang 2006 erschien der Studienführer in der vierten Auflage.

Im Oktober 2002 beteiligte sich eine Ostblick-Delegation in Bochum am Gründungskongress der deutschlandweiten Initiative OsteuropaStudierender (IOS – heute Ostblick Deutschland), die das Ergebnis des oben genannten Aufrufs der Münsteraner Studenten war. Dort stellte die Berlin-Brandenburger Abordnung die Situation in der Hauptstadtregion vor. Niemand ahnte zu dieser Zeit, dass hier ein einzigartiges interdisziplinäres und unabhängiges Netzwerk Studierender und Graduierter osteuropabezogener Fächer geboren war, das nunmehr als Ostblick – Initiative OsteuropaStudierender Deutschland als eingetragener Verein arbeitet und zu dem – wie der Name schon vermuten lässt – auch Ostblick Berlin-Brandenburg als Regionalinitiative gehört.

Nur einen Monat später, im November 2002, trat Ostblick als Mitveranstalter der Jubiläumsfeier „50 + 1 Jahr + 1 Tag“ am Osteuropainstitut der Freien Universität in Erscheinung, aus deren Anlass eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Medien veranstaltet wurde.

Die Ostblick-Arbeit im Jahr 2003 war dann jedoch zu großen Teilen durch den 2. Jahreskongress der IOS geprägt sein würde, der vom 24. bis 26. Oktober 2003 an der Universität Potsdam stattfand und ganz im Zeichen der Sprachausbildung stand.

Das Thema Spracherwerb aufgreifend initiierte Ostblick Berlin-Brandenburg im November 2003 das erste Treffen der Sprachlektorinnen und -lektoren der beteiligten Universitäten, das im Januar 2004 eine Fortsetzung fand. Zum einen wurde somit Studierenden und Lektoren erstmals ein Forum zum gegenseitigen Kennenlernen und zum Informationsaustausch geboten; zum anderen verabschiedeten alle Beteiligten eine Erklärung zur Lage der Sprachausbildung an ihren Hochschulen.

Wer erinnert sich nicht noch an die weitgreifenden Studierendenproteste im Winter 2003/2004? Ostblick als Vertretung der studentischen Stimme war natürlich dabei – mit dem „Osteuropa-Express“. Mehr als 140 Studierende folgten damals einem Aufruf und reisten, begleitet von Medienvertretern, von Berlin über Potsdam nach Frankfurt/Oder, um dort unterhalb der Oderbrücke symbolisch um Bildungsasyl bei den polnischen Nachbarn zu bitten.

Das Ostblick-Jahr 2004 war geprägt von den Vorbereitungen und der Durchführung eines Treffens mit der ukrainischen Initiative Maibuttia sowie vom Projekt „OST-WIND“. Letzteres war ein gemeinsames Unterfangen von fünf Berliner Vereinen des Netzwerkes „Initiative Mittel- und Osteuropa“ der Robert Bosch Stiftung. Anlass für „OST-WIND“ war die Erweiterung der Europäischen Union zum 1. Mai 2004, und dahinter verbarg sich keine Wettererscheinung, sondern ein Luftballonwettbewerb und ein Infostand beim Straßenfest des Kulturjahres der Zehn vor dem Brandenburger Tor.

Im Februar 2005 fand auf Einladung des Fachschaftsrates Slawistik und Hungarologie der Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit Ostblick ein Treffen der Botschafter der mittel- und osteuropäischen Staaten statt. Botschafter und Gesandte aus Bulgarien, Polen, Russland, Serbien und Montenegro, der Slowakei, Tschechien und Ungarn waren bei der Podiumsdiskussion zugegen. Grundgedanke war die Heraushebung Berlins als Bildungsstandort mit einer traditionsreichen, aber von erheblichen Einsparungen bedrohten Osteuropaforschung und Möglichkeiten der Unterstützung durch die diplomatischen Vertretungen der Länder Mittel- und Osteuropas.

Neben all den Großprojekten könnte viele weitere Aktivitäten diese Aufzählung ergänzen. Sie zielten stets darauf ab, Lobbyarbeit für die osteuropabezogenen Fächer zu leisten, den Austausch von Informationen und Erfahrungen zu fördern, Schüler und Studienanfänger bei den ersten Schritten zu unterstützen, die Neugier für den Raum Mittel- und Osteuropa zu wecken. Natürlich gab es bei allem Ernst auch genügend Gründe zum Feiern, und die Ostblick-Partys lockten immer wieder bekannte und neue Gesichter an.

 

Ein Netzwerk knüpfen

Ostblick bedeutete schon immer, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, Ideen gemeinsam zu verwirklichen, von- und miteinander zu lernen.

Was zunächst mit Kooperationen über die Grenzen der einzelnen Institute und Universitäten hinaus begann, entwickelte sich nach und nach zu einem Geflecht aus Kontakten zu ganz unterschiedlichen Akteuren, die sich mit Mittel- und Osteuropa befassen (z.B. NGOs, Kulturinstitute).

Ein wesentlicher Schritt dabei war 2003 die Aufnahme in das Förderprogramm „Initiative Mittel- und Osteuropa“ (kurz IMOE) der Robert Bosch Stiftung, das die Vernetzung studentischer Initiativen – nicht nur aus Deutschland, sondern auch in den mittel- und osteuropäischen Ländern – fördert. Aus dem Professionalisierungsprogramm (mittlerweile in Trägerschaft von MitOst e.V.) ist längst ein Netzwerk gewachsen, dass in Zukunft auf eigenen Beinen stehen soll. Von Beginn an beteiligte sich Ostblick an Fortbildungen zu Themen wie etwa Projektmanagement, Fundraising, Kommunikation oder Pressearbeit, an Initiativenreisen nach Belarus und in die Ukraine, an jährlichen Treffen der Vorstände, an Netzwerkprojekten wie „OST-WIND“ oder dem Workshop für Finanzmanagement. Diese Aktivitäten waren bestimmend vor allem für die Jahre 2004 bis 2006.

Als ein weiteres Mittel, um Kontakte zu knüpfen, wurde schließlich der monatliche Stammtisch ins Leben gerufen, der an jedem ersten Mittwoch im Monat stattfindet.

 

Ausblick mit Ostblick

Von nun an soll die Arbeit an Projekten zu hochschulpolitischen und fächerspezifischen Themen wieder stärker in den Vordergrund rücken. Ostblick heißt auch Spielraum für Eigeninitiative. Wer sich in bestehende Projekte einbringen möchte, wer eigene Ideen hat, Projekte organisieren will und dabei Unterstützung sucht, ist herzlich willkommen. Die Bereicherung, die jeder Einzelne durch ehrenamtliches Engagement erfahren kann, ist erheblich, auch wenn man den zeitlichen Aufwand, den so manches Projekt erfordert, nicht unterschätzen soll. Doch es bietet sich Gelegenheit, etwas zu bewegen, sich auszuprobieren, eigene Stärken und Schwächen zu entdecken und eine Menge zu lernen – sei es in ganz praktischen Dingen oder im Umgang mit vielen kreativen Köpfen.

In der fünfjährigen Vereinsgeschichte markiert der Sommer 2006 einen Wendepunkt – mit einem neuen Vorstand wurde gewissermaßen ein Generationswechsel eingeläutet, denn viele der Gründungsmitglieder haben mittlerweile den Schritt ins Berufsleben getan, unterstützen den Verein jedoch weiterhin. Seither galt die Aufmerksamkeit der Neuorganisation und Entwicklung neuer Visionen für die Zukunft. Und so war es auch an der Zeit, dass Ostblick in einem frischen Antlitz auftritt – mit neuer Internetpräsenz, überarbeitetem Logo und Vereinsfaltblatt.